„Zu Ostern gehört das Eierpecken einfach dazu. Doch heuer verliere ich dabei gern – weil mein Ei von einem Zweinutzungshuhn stammt“, sagt Patrick Birkl vom Zentrum für Tier­ernährung und Tier­schutz­wissen­schaften der Vetmeduni. „Diese Eier haben oft eine etwas weichere Schale und sind auch ein bisschen kleiner als jene von spezialisierten Legehybriden. Beim traditionellen Kräftemessen ziehen sie daher öfter den Kürzeren. Für mich ist das aber kein Nachteil, sondern ein bewusstes Zeichen für einen anderen Weg in der Geflügelzucht“.

Konzept Zweinutzungshuhn

Zweinutzungshühner stehen für mehr Tierwohl und eine nachhaltigere Landwirtschaft. Sie verbinden Legeleistung und Fleischansatz in ausgewogener Form und vermeiden viele Probleme der einseitigen Hochleistungszucht. „Die für die Schalenbildung erforderlichen Kalziummengen können den Knochenstoffwechsel stark beanspruchen“, erklärt Patrick Birkl. Eine wiederholte Kalziumfreisetzung aus dem Knochen wird als zentraler Mechanismus diskutiert, der zu Knochenabbau, Osteoporose und Frakturrisiko bei Legehennen beitragen kann.

Forschung für mehr Tierwohl

Das Projekt „Gesundes Brustbein“, das Birkl stellvertretend für Kollegin Janja Sirovnik während deren Elternzeit leitet, untersucht genau diese Problematik. Aktuell werden rund 100 Legehennenbetriebe besucht, um die Tiere mit einem Röntgengerät zu untersuchen. Die Literatur zeigt, dass Legehybriden – unabhängig von der Haltungsform – eine hohe Prävalenz von Brustbeinfrakturen aufweisen, erste Ergebnisse aus dem Projekt zeigen diesen Trend auch für österreichische Betriebe. „Die Legeleistung ist nicht der einzige Faktor, der die Knochengesundheit beeinflusst“, so Birkl. „Auch das Alter der Tiere, das Haltungssystem, die Fütterung, die Genetik oder der Stress in der Herde spielen eine Rolle. Deshalb sprechen wir bei Brustbeinschäden von einem multifaktoriellen Problem“.

Vielfalt in der Zweinutzung: Von White Rock bis Bresse Gauloise

Zweinutzungshühner könnten vor allem für extensive Haltungssysteme eine Alternative darstellen. Sie sind robuster, langlebiger und besser an Haltungsbedingungen, wie sie vor allem in Bio-Produktion herrschen, angepasst. Zudem ermöglichen sie ein ganzheitliches Wirtschaften: Vom Ei über die Henne bis zum Gockel. „Nebenbei hätten Zweinutzungsrassen auch einen wesentlichen Vorteil: Es müssten keine männlichen Küken von Legehennen mehr getötet werden, sondern können sinnvoll gemästet werden“, betont Patrick Birkl. „Wenn ich also heuer beim Eierpecken verliere, gewinne ich dennoch: Ein Stück mehr Tierwohl, Nachhaltigkeit und Verantwortung in unserer Landwirtschaft.“

Verschiedene Rassen eignen sich besonders für die Zweinutzung, darunter White Rock, New Hampshire, Sussex, Amrock, Australorps und Bresse Gauloise. Neben den reinen Rassen gibt es auch Gebrauchskreuzungen, bei denen beispielsweise die Mutter White Rock und der Vater New Hampshire ist. Diese Kreuzungen, die klingende Namen wie Coffee, Cream oder Chili tragen, vereinen die besten Eigenschaften ihrer Elternlinien und stehen für eine ausgewogene Kombination aus Legeleistung und Fleischansatz. Während sich diese nachhaltigen und tierfreundlichen Züchtungen in Deutschland zunehmend etablieren – insbesondere im Bio-Bereich – sind sie in Österreich bislang kaum verbreitet. Um dies zu ändern, sollen künftig auch hier die Praxistauglichkeit sowie wichtige Tierwohl-Aspekte, wie das Auftreten von Brustbeinschäden bei diesen alternativen Rassen, genauer untersucht werden.

*Das Projekt „Gesundes Brustbein“ wird durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) gefördert.