Mikrobiom und Umwelt: Wie sich unser „Super-Organ“ verändert

Podiumsdiskussion am Dienstag, 13. November zu den Einflüssen der Umwelt auf unsere körpereigenen Mikroben und damit unsere Gesundheit

Am Dienstag, 13. November, 19 Uhr veranstaltet der Forschungsverbund Umwelt der Universität Wien in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien die Podiumsdiskussion „Mikrobiom und Umwelt: Wie der Mensch von ‚seinen‘ Bakterien abhängt“. Was wir bereits über die Rolle des Mikrobioms, also die Gesamtheit unserer körpereigenen Mikroben, für unsere Gesundheit wissen, erläutert die Mikrobiologin und ERC Starting Grant-Preisträgerin Jillian Petersen von der Universität Wien in einem kurzen Vortrag. Im Anschluss diskutieren ExpertInnen Wechselwirkungen zwischen veränderten Umwelteinflüssen, unserem Lebensstil und der Zusammensetzung unseres Mikrobioms sowie Möglichkeiten, diesen Veränderungen zum Wohl der eigenen Gesundheit zu begegnen.

Milliarden von Mikroorganismen – also Bakterien, Archaeen, Pilzen und Viren – bilden bei Mensch und Tier das Mikrobiom. Es besiedelt Haut und Nasenhöhle genauso wie Darm und andere innere Organe. „Die Mikroben leben dabei in einer engen Symbiose mit dem Wirt und beeinflussen positiv Körperfunktionen wie den Stoffwechsel, können sich aber auch zum Krankheitserreger entwickeln“, sagt die Symbioseforscherin Jillian Petersen, die die Symbiose zwischen Wirt und Symbiont exemplarisch anhand der Lebensgemeinschaft von Mondmuscheln und Bakterien erforscht.

„Wir müssen verstehen, wie Symbiosen funktionieren, sich entwickeln und evolutionär verändern, um die ‚guten‘ Bakterien zukünftig für medizinische Zwecke einsetzen zu können“, so die Assistenz-Professorin der Universität Wien.

Macht des „Superorgans“

Der Einfluss des körpereigenen Mikrobenhaushalts lässt viele bereits von einem „Super-Organ“ sprechen: „Schon alleine unser Verdauungstrakt beinhaltet mehr Bakterien als unser Körper Zellen hat. Und wir erkennen immer mehr, welche zentrale Rolle das Mikrobiom in unserem Leben, für unsere Gesundheit und bei Erkrankungen spielt“, sagt der Mikrobiomforscher David Berry von der Universität Wien, der seit Jahren das Mikrobiom des menschlichen Darms erforscht.

Erste Forschungsergebnisse zeigten, „dass unsere unmittelbare Umwelt und Lebensweise – etwa durch extreme Hygiene und eine fortschreitende Urbanisierung – einen erheblichen Einfluss auf unser Mikrobiom hat.“ So ist etwa das Mikrobiom von Menschen, die in ländlicher Umgebung wohnen, diverser – umfasst also mehr unterschiedliche Bakterienarten – als jenes von Menschen in städtischer Umgebung.

Lebensweise prägt Mikroben-Haushalt

Wie wirkt sich der Verlust an mikrobieller Vielfalt in unserer unmittelbaren Umgebung auf die Zusammensetzung des Mikrobioms und die Gesundheit aus? Welche Folgen hat die Einnahme von Medikamenten wie Antibiotika auf unseren körpereigenen Mikroben-Haushalt? Können wir unser Mikrobiom gezielt verbessern? Und können wir uns als Mensch weiterhin als Einzelwesen wahrnehmen oder sind wir nicht vielmehr ein Konsortium unterschiedlichster Lebewesen? Diese Fragen diskutieren Jillian Petersen und David Berry gemeinsam mit Lucie Strecker, Forscherin am Art & Science Department der Universität für angewandte Kunst und künstlerische Leiterin des Programms „Arts in Medicine“ der MedUni Wien, sowie Lebensmittelmikrobiologe Martin Wagner, Professor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Die Podiumsdiskussion ist die vierte im Rahmen der Veranstaltungsserie „Umwelt im Gespräch“, organisiert vom Forschungsverbund Umwelt – Netzwerk für Umweltwissenschaften der Universität Wien. Mit „Umwelt im Gespräch“ greift der Forschungsverbund in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien aktuelle Herausforderungen im Umgang mit unserer Umwelt auf und stellt wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für das gesellschaftliche Handeln bereit.

Veranstaltung: Mikrobiom und Umwelt: Wie der Mensch von „seinen“ Bakterien abhängt

Zeit: Dienstag, 13. November 2018, 19:00 Uhr
Ort: Naturhistorisches Museum Wien, 1010 Wien, Maria-Theresien-Platz (Haupteingang)

Begrüßung durch Christian Köberl (Generaldirektor Naturhistorisches Museum Wien und Professor der Universität Wien), Heinz W. Engl (Rektor der Universität Wien) und Thilo Hofmann (Leiter Forschungsverbund Umwelt der Universität Wien)

Einführungsvortrag von Jillian Petersen, Symbioseforscherin und Assistenzprofessorin der Universität Wien: „Neue Perspektiven der Mikrobiomforschung“

Im Anschluss Podiumsdiskussion:
David Berry, Mikrobiomforscher und Professor an der Universität Wien
Jillian Petersen, Symbioseforscherin und Assistenzprofessorin der Universität Wien
Lucie Strecker, Forscherin am Art & Science Department der Universität für angewandte Kunst Wien
Martin Wagner, Lebensmittelmikrobiologe, Professor an der Veterinärmedizinischen Universität Wien

Die PodiumsteilnehmerInnen stehen MedienvertreterInnen bei Interesse für Interviews zur Verfügung.

Weitere Informationen: umwelt.univie.ac.at

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