Menschen agieren normalerweise nach ungeschriebenen sozialen Regeln: Wenn jemand den anderen herwinkt, kommt dieser näher. Wird jemand weggewiesen, geht dieser weg. Ob andere Tiere unsere Erwartungen an Gesten teilen, untersuchten nun Forscher:innen des Messerli Forschungsinstituts der Vetmeduni. Sie prüften anhand von Haushunden (Canis familiaris), was passiert, wenn Menschen die gewohnten Regeln der alltäglichen nonverbalen Kommunikation brechen.

Ein exakter und tiefer Blick in die Hundeaugen

Mit einer Eye-Tracking-Studie untersuchten die Wissenschafter:innen an 39 Haushunden, ob ihre Augenbewegungen und Pupillengrößen eine Reaktion zeigen, wenn sie eine Abweichung von der üblichen Reaktion auf konventionelle menschliche Kommunikationsgesten beobachten. Dazu sahen sich die Hunde im Eye-Tracking-Experiment unterschiedliche Videos von jeweils zwei Schauspielerinnen an, die auf vertraute Gesten wie „Komm her“ und „Geh weg“ reagierten. Manchmal war die Reaktion die erwartete, manchmal war sie unerwartet, unpassend und inkongruent: Zum Beispiel ging eine menschliche Darstellerin weg, nachdem sie hergerufen worden war, oder sie kam näher, nachdem sie von einer zweiten Darstellerin weggeschickt worden war.

Hundepupillen weiten sich bei unpassendem menschlichen Verhalten

Während die Hunde die Videos aufmerksam verfolgten, unabhängig davon, ob die Reaktion der Schauspielerin kongruent oder inkongruent war, unterschied sich die Pupillengröße deutlich je nach Reaktion. Dazu Studien-Erstautorin Lucrezia Lonardo vom Messerli Forschungsinstitut: „Die Pupillen der Hunde weiteten sich mehr, wenn eine der Schauspielerinnen auf unerwartete Weise reagierte, als wenn sie in erwartbarer Weise reagierte. Eine solche physiologische Reaktion ist ein subtiles Zeichen von Überraschung oder erhöhter Aufmerksamkeit.“

Hunde verfügen vermutlich über gute Kenntnisse des menschlichen Sozialverhaltens

Die Wissenschafter:innen vermuten, dass Haushunde im Laufe ihrer Entwicklung implizit Erwartungen entwickeln, was die übliche Reaktion auf bestimmte konventionelle menschliche Gesten betrifft. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hunde die ungeschriebenen Regeln menschlicher Interaktion im täglichen Zusammenleben mit uns erlernen können. Bemerkenswerterweise reagierten sie sogar, wenn sie lediglich zwei fremde Menschen bei der Interaktion beobachteten – was darauf hinweist, dass Hunde möglicherweise mehr über menschliches Sozialverhalten verstehen, als uns bewusst ist“, erklärt Lonardo abschließend.

Die Studie „Pupil size changes reveal that dogs are sensitive to the social conventions behind human gestures“ von Lucrezia Lonardo, Christoph J. Völter und Ludwig Huber wurde in „Cognition“ veröffentlicht.