„Schimpansen trommeln, um die anderen Mitglieder ihrer Gruppe darüber zu informieren, wo sie sich gerade befinden und was sie tun – eine Art „Check-in“ im Regenwald“, erklärt Vesta Eleuteri, Studienleiterin und Verhaltensbiologin an der Universität Wien. Über einen Kilometer hinweg ist das Trommeln durch den Wald zu hören. Als Trommeln dienen die Flächen von riesigen Wurzeln der Regenwaldbäume, getrommelt wird mit Händen und Füßen. In einer früheren Studie konnten die Wissenschafter*innen bereits zeigen, dass jeder Schimpanse seinen eigenen Trommelstil hat. Nun haben die Wissenschafter*innen sich die Frage gestellt, ob die Schimpansen rhythmisch Trommeln – wie in der menschlichen Musik.

Um diese Fragen zu beantworten, sammelten die Autor*innen einen weltweit einzigartigen neuen Datensatz über das Trommeln von Schimpansen aus Regenwäldern und Savannenwäldern in ganz Afrika, mit Trommeln aus 11 Gemeinschaften aus sechs verschiedenen Populationen im Osten und Westen des Kontinents. „Diese Studie ist ein großartiges Beispiel für Teamwissenschaft. Es hat Jahre, manchmal Jahrzehnte gedauert, bis viele Teams von Wissenschafter*innen an jedem Schimpansenforschungsstandort dieses Trommeln gesammelt hatten. Insgesamt sind das weit über hundert Jahre Arbeit, die diesen Datensatz aufbauen“, sagt Cat Hobaiter von der Universität St. Andrews, Co-Seniorautorin der Studie.

Mit Hilfe dieses einzigartigen Datensatzes gelang der Nachweis: Schimpansen trommeln rhythmisch. Und nicht nur das, die Schimpansenunterarten, die in verschiedenen Teilen Afrikas leben, trommeln unterschiedliche Rhythmen. „Wir haben festgestellt, dass Schimpansen aus Westafrika – wie Menschen – oft isochron trommeln. Bei isochronen Rhythmen treten die Töne in genau gleichen Zeitabständen nacheinander auf: wie das Ticken einer Uhr oder die Kick-Drum in der elektronischen Musik. Schimpansen aus Ostafrika ziehen es vor, kurze und lange Intervalle in ihrem Trommeln abzuwechseln. Schimpansen aus Westafrika trommeln außerdem schneller als ihre östlichen Verwandten“, fasst Eleuteri zusammen.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass unsere Fähigkeit, rhythmisch zu trommeln, möglicherweise schon lange vor dem Entstehen des Menschen existierte“, sagt Hobaiter. „Unsere Studie liefert einen Teil des Puzzles zum Verständnis der Ursprünge und der Entwicklung der Musikalität“, sagt Andrea Ravignani von der Sapienza Universität Rom und ebenfalls Co-Seniorautor. „Die Daten deuten darauf hin, dass wir Menschen einen entscheidenden Baustein für Musik mit Schimpansen gemeinsam haben: perkussive, musikähnliche Rhythmen“, so Ravignani.

Originalpublikation: 
Vesta Eleuteri, Catherine Hobaiter, Andrea Ravignani et al.: Chimpanzee drumming shows rhythmicity and subspecies variation. In Current Biology.
DOI: 10.1016/j.cub.2025.04.019