101 der Forschungsmethodik: deduktive vs. induktive Forschung

(SPONSORED POST) Nicht nur in den Geisteswissenschaften wird das Thema Forschungsmethodik während des Studiums häufig vernachlässigt. Dabei sollte der Erkenntnisgewinn in allen Wissenschaften im Mittelpunkt der Forschung stehen – und das verlangt nach einer strukturierten Methode.

von ACAD WRITE

Besonders wichtig ist es, den Unterschied zwischen einem induktiven und einem deduktiven Verfahren zu verstehen. Das ist eigentlich ganz einfach:

  • Bei der induktiven Methode werden Schlussfolgerungen von etwas Spezifischem auf das Allgemeine getroffen.
  • Bei der deduktiven Methode werden vom Allgemeinen Schlussfolgerungen auf das Spezifische getroffen.

Bei der induktiven Forschung wird demnach versucht, anhand von gesammelten Daten bzw. Beobachtungen zu einem bestimmten Thema größere Zusammenhänge und Muster zu erkennen und zu beschreiben. Auf dieser Basis werden Hypothesen formuliert, die schließlich zu neuen Theorien führen können. Induktive Methoden können wertvolle Ergebnisse liefern, haben jedoch den Haken, dass sie niemals mit absoluter Sicherheit belegt werden können. Der Grund dafür ist das Induktionsproblem, das David Hume schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beschrieben hat: Auch wenn alle beobachteten Einzelfälle auf die Richtigkeit einer Theorie hinweisen, lässt sich nicht ausschließen, dass irgendwann ein Einzelfall auftritt, welcher die Theorie widerlegt. Nehmen wir folgende Hypothese als Beispiel:

H: Alle Schwäne sind weiß.

Alle Beobachtungen scheinen die Hypothese zu bestätigen. Mit jedem weißen Schwan, der gesichtet wird, wird die Theorie stärker. Doch auch wenn man versuchen würde, alle Schwäne der Welt einzufangen, um die Theorie zu bestätigen, wäre nicht auszuschließen, dass sich nicht noch irgendwo ein Schwan versteckt, der eine andere Farbe hat.

Verschwörungstheoretiker nutzen das Induktionsproblem häufig, um darauf hinzuweisen, dass jegliche Wissenschaft immer nur unbestätigte Theorie sei. Doch auch wenn sich von induktiven Methoden keine wissenschaftlichen Gesetzte ableiten lassen, können damit starke Theorien entstehen, die weitgehen anerkannt werden. So ist auch Einsteins Relativitätstheorie, die seit über 100 Jahren in den unterschiedlichsten Experimenten mit immer größerer Präzision bestätigt wird, das Ergebnis der induktiven Methode.

Forschung, die mit deduktiven Methoden arbeitet, trifft logische Schlussfolgerungen vom Allgemeinen auf das Besondere. Ausgangspunkt ist eine allgemeine Theorie, auf deren Basis eine bestimmte Hypothese aufgestellt wird, die schließlich experimentell überprüft und dadurch bestätigt oder widerlegt werden kann.

Grundsätzlich folgen deduktive Argumente folgender Logik:

Wenn a = b und b = c, dann a = c.

Eine auf Deduktion basierende Aussage wäre also:

  • Alle Schwäne sind Vögel.
  • Alle Vögel haben Schnäbel.
  • Deswegen haben alle Schwäne Schnäbel.

Wenn dann noch eine statistisch signifikante Anzahl an Schwänen beobachtet wird, die Schnäbel haben, lässt sich die Aussage deduktiv bestätigen.

Doch auch die deduktive Methode hat ihre Tücken. Zum Beispiel können Übergeneralisierungen getroffen werden, welche das Prinzip von Ursache und Wirkung durcheinanderbringen. Ein nicht gültiges deduktives Argument wäre zum Beispiel:

  • Alle Schwäne sind weiß.
  • Fido ist weiß.
  • Deswegen ist Fido ein Schwan.

Hier wird Kausalität mit Korrelation verwechselt. Kausalität ist das Prinzip von Ursache und Wirkung und muss bei deduktiver Forschung unbedingt eingehalten werden. Korrelation bezeichnet hingegen lediglich das gemeinsame Auftreten zweier Variablen, ohne einen direkten Zusammenhang zu bestätigen. So können Korrelationen manchmal einen Anhaltspunkt liefern, aber keine Hypothesen bestätigen.

Nur wer die Grundprinzipien der induktiven und deduktiven Argumentation versteht, ist in der Lage, eine valide Methode für seine eigenen Forschungsprojekte, wie beispielsweise die Bachelor- oder Masterarbeit, zu gestalten.

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