Individuen über Zeit und Raum hinweg zu identifizieren, ist für die Untersuchung zahlreicher Fragen der Evolutionsökologie und des Naturschutzes wichtig. Allerdings kann der Erfolg der verfügbaren Fotoabgleich-Software stark von der Bildqualität sowie den fokussierten Körperteilen abhängen.
„Wir testeten deshalb, ob sich die Identifizierung von Individuen anhand von Farbmusterungen dadurch verbessert, dass wir die natürliche Umgebung der Tiere und ihre natürliche Körperhaltung berücksichtigen“, erklärt Studien-Erstautorin Edina Nemesházi vom KLIVV der Vetmeduni die ihrer Forschungsarbeit zugrundeliegende Überlegung. Zur Prüfung dieser Idee optimierten die Forscherinnen bestehende Fotografieverfahren, um mittels Ganzkörperbewertung agile Frösche (Rana dalmatina) individuell zu identifizieren. Danach evaluierten sie die Zuverlässigkeit dieses Verfahrens sowohl für die computergestützte Identifizierung in der HotSpotter-Software als auch für die damit arbeitenden Beobachter:innen.
Bisherige Fotografieverfahren liefern gute, aber keine fehlerfreien Ergebnisse
Die Forscherinnen stellten fest, dass das Fotografieren von Fröschen, die entweder mit handtuchtrockener Haut in der Hand gehalten werden (was eine herkömmliche Methode ist) oder sich frei in sauberem Wasser bewegenden Fröschen einen Vergleich der Rückseite des gesamten Körpers einschließlich der Hinterbeine ermöglicht. HotSpotter identifizierte übereinstimmende Bilder mit ähnlich hohen Raten wie in früheren Studien mit Fröschen. Die tatsächliche Übereinstimmung lag mit diesen beiden Methoden bei immerhin mehr als 92 %.
Überhaupt nicht überflüssig: Neue Unterwassermethode erkennt Individuen mit 100 % Genauigkeit
„Das Eintauchen ins Wasser von mit der Hand festgehaltenen Fröschen verbesserte die eindeutige Identifizierung aber erheblich: Bilder desselben Individuums wurden immer als die wahrscheinlichste Übereinstimmung ausgewiesen, also zu 100 % korrekt eingestuft“, so Nemesházi.
Diese herausragende Leistung ist laut der Forscherin auf die Kombination der vorteilhaften Effekte der Lichtbrechung im Wasser und der einheitlichen Körperhaltungen zurückzuführen. Erstere verbessert die Sichtbarkeit der Pigmentmuster, während Zweitere den Vergleich zwischen den Individuen erleichtert. Laut Nemesházi sollte sich das in der Studie beschriebene Fotografieverfahren – also die Berücksichtigung der natürlichen Umgebung Wasser – für eine zuverlässige Identifizierung einzelner Individuen leicht auf die meisten Frosch- und Krötenarten anpassen lassen. Denn auch das Fotografieren von sich frei im Wasser bewegenden Fröschen erwies sich als eine sinnvolle Option für die Identifizierung.
Der Artikel „Placing anurans in water can improve photo-based individual identification“ von Edina Nemesházi, Zsanett Mikó, Nikolett Ujhegyi, Andrea Kásler, Nadine Lehofer und Veronika Bókony wurde in „PLOS One“ veröffentlicht